Das sind vielleicht herausfordernde Zeiten, es gelingt mir immer seltener, all diese Intensität, die ich erlebe in Worte zu fassen…
Daß es tatsächlich um einen tief tief tiefgreifenden Wandel geht, individuell und kollektiv, das spüre ich sehr deutlich; daß Vieles nicht mehr so geht, wie ich´s gewohnt bin, das spüre ich auch, zum Teil schmerzlich – da spielt mein Körper nicht mehr mit!
Mir scheint, er – dieser mein wundervoller, großartiger Körper – hat genug davon, daß ich seine Rufe und Signale immer wieder übergehe, daß ich seine Ruhebedürftigkeit nicht ernst nehme, daß ich meinen allzu lieben Gewohnheiten so oft mehr Raum gebe als seinen Bedürfnissen…
Mir scheint, er fordert nun mehr seine Rechte ein und gibt mir zu verstehen: hey! wenn du gesund bleiben und ein gutes Leben haben willst, dann hör besser auf mich! Du mußt nicht mehr wie mit 50 herumrennen und die Dinge so machen wie immer – halt ein, halte inne, lausche, fühl mich, werd still! Atme!
Ganz deutlich hab ich diese Aufforderung vor Kurzem während eines 8-tägigen Aufenthaltes in Süditalien zu spüren bekommen: genau am Tag des Abfluges (vor knapp zwei Wochen) ist eine heftige Erkältung ausgebrochen, die mich – gemeinsam mit dem schlechten Wetter auch im Süden – regelrecht niedergestreckt hat! Gemeinsam mit einer Freundin wollte ich dem ewigen Grau, dem Nebel und der Dauerkälte im Weinviertel entkommen, nur um dort im Süden auch im Grau und in Regen und Sturm zu landen – und in einer großen körperlichen Schwäche, na toll!
Anfangs war ich ziemlich frustriert, doch nach und nach hat sich etwas in mir entspannt, in eine Art Hingabe hinein – es ist wie es ist – – let it be, allow it, just let it be!
Und mit diesem Nachgeben, mit diesem Loslassen von Widerständen konnte ich dann ganz gut SEIN, teils im Bett, teils ganz langsam draussen unterwegs in der einen oder anderen Hafenstadt rund um Bari. Dieses innerlich Weichwerden, dieses Loslassen der fixen Vorstellungen, wie etwas sein sollte, tut unendlich gut! Es gab kostbare Momente, in denen ich die verborgene Perle in diesen so widrig erscheinenden äußeren Umständen erkennen und erleben durfte… und es geht ja weiter!
Nun bin ich seit einigen Tagen wieder zurück im Dorf, in meinem Hof, bin noch nicht gesund, immer noch geschwächt, auch wenn Husten und Schnupfen deutlich besser geworden sind.
Nun bin ich so weichgeklopft, daß ich gut auf meinen Körper hören kann, ihm die Ruhe gönne die er braucht, erinnere mich in diesem Ruhig-Werden immer öfter ans bewußte Atmen, an sanfte Bewegungen, wenn da Schmerzen sind, ans Summen in die blockierten Stellen… höre Musik, die mir guttut… alter Schmerz kommt hoch, Tränen fließen, dann tiefe innere Stille und Frieden!
What a time!
Steht denn dieses Bedürfnis nach innerer Stille und Rückverbindung nicht in krassem Gegensatz zur Energie des Feuerpferdes mit seiner vorwärtsstrebenden Dynamik (dessen Jahr eben erst begonnen hat) – das hab ich mich öfter gefragt… da hat mir ein gestriges Interview mit Tatjana Garcia, einer spirituellen Lehrerin die ich sehr schätze, richtig gut getan! Sie hat von der Bedeutsamkeit der Stille gesprochen; wie wichtig es gerade in diesen sich immer mehr beschleunigenden Zeiten es ist, immer wieder Einkehr zu halten im inneren Raum der Stille, sich mit seinem göttlichen Ursprung zu verbinden. Wenn wir das nicht tun, wird aus fokussierter, von einer Vision getragenen dynamischen Vorwärtsbewegung leicht ein blinder, erschöpfender und nervenzehrender Aktivismus.
Während dieser Woche in Italien kam der Walk of Peace der buddhistischen Mönche nach über zwei Monaten zu seinem Ende; sie haben in Washington D.C. ihr Ziel erreicht.
In Texas haben sie begonnen, für den Frieden zu gehen, durch widrigste äußere Umstände hindurch; was wie ein kleiner Fluß begonnen hat, ist zu einem immer mächtigeren Strom angewachsen, der quer durch das Land geflossen ist – ein Strom von Liebe, von Mitgefühl, von Kraft und Hingabe, der immer mehr Menschen erreicht und immer mehr Herzen geöffnet hat.
Ich hab ihren Marsch quer durch die USA, begleitet von einem ehemaligen wunderlieben Straßenhund, im Internet immer öfter mitverfolgt – Zeugin dieses wundervollen Ereignisses sein zu dürfen, hat mich tief berührt und mir geholfen, mein Herz auch unter nicht so angenehmen Umständen zu öffnen, vor allem auch für mich selbst.
Ein großes Geschenk, das uns diese wundervollen Mönche gemacht haben, große Dankbarkeit!
Ich bin also wieder mal in einem Prozeß, in dem ich lernen und üben darf, meine Schwäche und Verletzlichkeit voll und ganz anzunehmen; ich darf erkennen, daß das “Unten-Sein“ nicht bedrohlich sein muß, sondern mich „ganzer“ macht, runder; dieses Weichwerden und EmpfänglichSein, das sich in der Hingabe zeigt, ist im Grunde wunderschön!
Und dann wird mir klar, daß ich dieses Stillwerden so sehr brauche, wenn ich wirkliche Veränderungen in meinem Leben erfahren und ermöglichen möchte!
In dieser Stille, diesem inneren Ruhen kommen klare Einsichten, die ich überhöre, wenn ich auf alte Art und alten Gewohnheiten verhaftet unterwegs bin (Ablenkungen, hierhin und dorthin, dieses und jenes, oft mit wenig Focus und Geduld…); es fühlt sich richtig gut an, wenn der feste Griff um altgewohnte Abläufe, Aktionen und Reaktionen sich lockert, wie wenn eine Art Starre sich löst!
Dieser Winter hat mir ganz schön zugesetzt – kaum Sonne, langer Dauerfrost, viel, ganz viel Nebel und Grau… und natürlich das immer verrückter werdende weltpolitische Geschehen…
Heute Vormittag – auf meiner Yogamatte liegend: atmend, summend, weinend, mich sachte bewegend, betend, dankend – ganz plötzlich ist die Sonne aus den eben noch regenschweren Wolken hervorgekommen und hat mich sanft und liebevoll angestrahlt – ein wunderschönes Geschenk!
Es wird! Es wird wieder Frühling, die Starre beginnt sich zu lösen, das Licht kommt zurück!
Let it go, let it be, let it flow!






























































